Heimatmuseum Grächen
Das Haus wurde 1824 erbaut und diente bis 1950 als Gemeindehaus. Vor diesem Gebäude stand das Gemeindehaus in Niedergrächen. Zudem wurde es für Versammlungen, Fastnachts-Tanz und Anlässe solcher Art genutzt. Von 1950 bis 1960 diente das Gebäude als Schulhaus. Das obere Stockwerk ist in Privatbesitz und wird heute noch bewohnt.
1984 wurde die Stiftung „Grechu ischi Heimat“ anlässlich der ersten Heimattagung ins Leben gerufen. 1990 wurde das Heimatmuseum im Gebäude des alten Gemeindehauses eröffnet.
Öffnungszeiten: Mittwoch 16.00h-18.00h
Ausgestellte Bücher: „Familienchronik von Grächen“, „Museen im Wallis“ (f/d), „Thomas Platter Autobiographie“ in althochdeutscher Sprache, „Thomas Platter Autobiographie“ in deutscher Sprache, „Thomas Platter zu seinem 500.sten Geburtstag“, „10 Blicke auf Thomas Platter“, „Die Verkehrsgeschichte Grächens“, „Nutze die Zeit“ – Geschichten aus dem Leben des Thomas Platter. (Alle Bücher können in den Buchhandlungen und der Boutique Liliane gekauft werden.)
Das erste Thema, welches im Heimatmuseum aufgegriffen wurde, war jenes der Verkehrsgeschichte. Seit 1999 ist die Ausstellung von Thomas Platter im Museum zu besichtigen.
Eingang
Hier befinden sich verschiedene Bilder und Fotos von Grächen damals und heute, sowie z.B. das Bürgerverzeichnis aus dem Jahre 1811 oder die Statuten der Gemeinde Grächen. Zudem sind verschiedene Werkzeuge (Lanzenspitze und 2 Beile) aus der Bronzezeit, welche auf 2100müM oberhalb von Grächen gefunden wurden, ausgestellt. Eine weitere Besonderheit stellt der Schnitt eines Baumstammes dar, der im See bei Grächen gefunden wurde. Dieser war durch Schlamm luftdicht abgeschlossen und ist aus diesem Grunde noch so gut erhalten. (Der Baum ist 492 Jahre alt geworden. Nach der Methode der 14C Datierung ist der Baum vor 4890 Jahren +/-80 gewachsen. Datiert in Bern)
Küche
Bis ca. 1900 kochte man in dieser Gegend in solchen Küchen. Die Trächa (=Herd) und der Rauchfang sind original. Nur der Kamin durch die 2. und 3. Etage existiert nicht mehr, sowie viele alte Kochtöpfe und Pfannen aufgestelt. Des weiteren können Gebrauchsgegenstände wie Butterformen, Raffeln und Besteck besehen werden.
Wohnstube
1. Specksteinofen
Datiert mit dem Jahre 1637, stammt er wahrscheinlich aus dem alten Gemeindehaus, das damals in Niedergrächen stand.
2. Johann Schnidrig
Auch Johann Schnidrig ist einer der begabtesten Handwerker Grächens. Aus diesem Grunde wurde ihm ein Teil der Ausstellung gewidmet. Er wurde 1899 in Grächen geboren. (Berufe: Ziegenhirt, Schreiner, Ofenbauer, Drechsler, Schumacher, Zimmermann und Dachdecker) 1927 heiratete er Monika Imboden, mit der er 6 Kinder hatte. (3 davon starben früh) Im Jahre 1934 stirbt seine Frau. 1964 heiratet er seine 2. Ehefrau Lydia Schnidrig; aus dieser Ehe gehen 3 Kinder hervor. Johann Schnidrig stirbt im Jahre 1992.
Seine ganze Werkstatt konnte von der Stiftung „Grechu ischi Heimat“ zu Ausstellungszwecken erworben werden.
1923 fertigte er seinen ersten Schuh an. Er schrieb bei jedem angefertigten Schuh die Masse und die Person auf; dieses Schriftstück besteht heute noch und ist im Museum ausgestellt.
Alle Exponate in diesem Teil der Ausstellung wurden von Johann Schnidrig selber gefertigt, was auch die Initialen J.H.S. erklärt, die auf allen Werkzeugen wiederzufinden sind. Ausgestellt sind unter anderem: Nähmaschine, Werkzeug, Schlitten, Fahrrad, Rechen, Säge, Spinnrad – dieses hat er im Jahre 1979 für sein Grosskind Verena angefertigt. Die Werkbank datiert aus dem Jahre 1923.
3. Thomas Platter– Lebenslauf
Geboren 1499 in Grächen - gestorben 1582 in Basel. Humanist und Gelehrter, Rektor der Lateinschule 'auf Burg' in Basel. Buchdrucker und Verfasser einer berühmten Biographie.
Thomas Platter darf zweifelslos als berühmtester Sohn Grächens genannt werden. Am Ende des 15. Jahrhunderts als Bauernkind im Weiler Blattu bei Niedergrächen geboren, hütete 'Thomilin', wie er von seinen Eltern liebevoll genannt wurde, Geissen. Niemand konnte damals die Karriere voraussehen, die ihm beschert werden sollte. Im Alter von zehn Jahren als Verdingkind weggegeben, lernte er fast alle Wirrnisse seiner Zeit kennen. Er durchstreifte als fahrender Scholar Sachsen, Schlesien und Bayern. Auf diesen Reisen erbettelte er den Lebensunterhalt für seine älteren Kollegen, die 'Bacchanten'. In dieser Zeit fand er kaum Gelegenheit, sich Wissen anzueignen.
Erst mit zwanzig Jahren, als er sich in Zürich niederliess, begann er mit dem Studium der hebräischen, griechischen und lateinischen Sprache. Er wurde nicht nur zum Gelehrten, sondern machte sich auch mit den Ideen des Humanismus und der Reformation vertraut. Unstet, wie er war, zog er später nach Basel, wo er zunächst als Seilergeselle sein Geld verdiente. Später hielt er dort Vorlesungen in alten Sprachen, wurde 1544 Rektor der Lateinschule 'auf Burg' und leitete diese - oft mit rüder Autorität - während fast 40 Jahren. Daneben betätigte er sich auch als Buchdrucker und Verleger. Er erstand sich auch ein grosses Landgut, das Gundeldinger Schlösschen, und bewirtschaftete dieses. Während den Bestzeiten zog er sich jeweils dorthin zurück.
Berühmt wurde Thomas Platter aber durch seine grossartige Autobiographie, die er kurz vor seinem Tod verfasste. In diesem Werk, das heute noch viel gelesen wird, notierte er nicht nur die Sitten und Bräuche seiner Zeit. Er dokumentiert darin auch die politischen und sozialen Umwälzungen, die Pestepidemien oder die Reformationskriege, an denen er selber teilgenommen hatte und hinterliess uns damit ein Zeitzeugnis von grossem Wert.
In zweiter Ehe wurden ihm und der Pfarrerstochter Esther Gross sechs Kinder geschenkt, von denen Felix Platter in Basel ein berühmter Anatom und Arzt wurde. Noch heute gibt es dort ein Spital, das dessen Namen trägt.
Rundgang
In der Mitte der Wohnstube im Museum wird der Lebenslauf von Thomas Platter gezeigt. Die Biographie wird in kurzen Zügen textlich und bildlich dargestellt.
Zudem ziert eine Figur des hl. Johannes den Raum. Eine solche Figur verbrannte Thomas Platter nach eigenen Angaben um 1524 in Zürich, als er die Schulräume im Fraumünster heizen sollte.
portrait platter...
Würfelvitrinen auf der Südseite:
1. Kinderschuh / Rechen / Triäga = Sinnbild für Kinderarbeit in der damaligen Zeit
2. Karte mit den Ortschaften / Wanderschuh / Billet = Thomas Platter als fahrender Schüler. Reisen nur zu Fuss, keine Autos und Bahnen...
3. griechische und lateinische Lektüre = Humanismus und Reformatoren. Bücher noch von Hand geschrieben, sind selten und kostbar
4. Neues Testament 1559. Reformation. = Bildersturm, Bücher der Katholiken werden verbrannt
5. Vergangenheit vs Moderne - Buch vs Computer = Erfindung der Buchdruckerkunst, damals revolutionär - heute Computer als Revolution
6. Knochen (menschliche Knochen) = Sinnbild von Pestepidemien und Kindersterblichkeit. (Thomas Platter hat alle überlebt)
7. Ofenkacheln und Glasgegenstände aus dem Baselbiet in der damaligen Zeit = Sinnbild für Wohlstand und Reichtum, den Thomas Platter erreicht hat
8. Münzen - Taler wurden zur Erinnerung an Thomas Platter 1999 zum 500-jährigen Jubiläum geprägt. (50x Gold und 500x Silber)
Ecke:
Modell von Thomas Platter als Geissenhirt, von Christof Hungenbühler (anhand Gemälde von 1581 des alten Thomas Platter)
Auf den Dielbäumen an der Decke sind die Initialen der Burger Grächens um 1824 eingraviert.

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