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Geschichtliches zur Schule Grächen

Erst im Jahre 1828 wurde das Gesetz erlassen, das den Schulunterricht obligatorisch machte. Zu Beginn wurde dieser von einem Geistlichen des Dorfes, von Josef Alois Andermatten erteilt. Bevor dieses Gesetz erschien, hatte kein Knabe in Grächen die Pflicht zur Schule zu gehen. Jene Knaben, die lesen und schreiben lernen wollten, mussten zu privaten Lehrern gehen.
Zur Förderung des Unterrichtswesen wurde in Grächen zuerst im alten Gemeindehaus eine Schule eingerichtet, welche nur den halben Tag dauerte. Für eine zweite gemischte Klasse suchte man in Privathäusern Raum, so zuerst im ersten Stock des Grossmeierhauses, später im zweiten Stock des Briggerhauses. 1887 baute die Gemeinde das alte Schulhaus mit zwei Klassenzimmern und zwei Lehrerwohnungen dazu. Um die Jahrhundertwende wuchs die Kinderzahl auf über 100 an, so dass schon im Jahr 1916 eine dritte Klasse eröffnet werden musste. Als Schulzimmer benutzte man die unteren Räumlichkeiten des Pfarrhauses.
Im Jahre 1927 wurden die Lehrerwohnungen des alten Schulgebäudes zu Unterrichtsstuben umgebaut, um einer vierten Schule Platz zu machen. Die acht schulpflichtigen Jahrgänge waren mittlerweile auf 176 Kinder angewachsen. In den 60er Jahren betrug die Zahl der Kinder gegen 200. Neue Klassen mussten eröffnet werden, die wie in alten Zeiten wieder im alten Gemeindehaus, in Privatstuben und anderen provisorischen Zimmern Platz fanden. Im Herbst 1973 konnte dann das neue Schulhaus bezogen werden. Neben einem Religions- und einem Handarbeitszimmer gab es auch für einen Kindergarten und 6 Primarklassen genug Raum.

 

Ausschnitte aus Vorträgen, die anlässlich der Schuleinweihung 1974 gehalten wurden

Von Knaben: 

Wir zählen das Jahr 1828! Unser neuer Pfarrer, Hochwürden Josef Alois Andenmatten, aus Saas, hat gestern beim Hochamt von der Kanzel verkündet, der hochweise Landrat habe auf dem Mailandtag zu Sitten beschlossen, alle Knaben unseres Kantons müssten von nun an zur Schule gehen. Der Herr Pfarrer selber will uns an den Vormittagen des kommenden Winters das Lesen beibringen. Jetzt habe ich den Dreck! Oft genug habe ich die paar Söhnlein der Ratsherren und reichen Bauern ausgespottet, weil sie beim Pfarrer Unterricht nahmen und weil sie klüger und "fürnehmer" sein wollten als wir andern! -Ich hoffe aber, dass ich nicht sehr lange im Gemeindehaus sitzen muss, denn der Hochwürdige Herr hat erklärt, man müsse nur so lange kommen, bis man in einem Messbüchlein lesen und seinen Namen schreiben könne.
Drei Winter lang habe ich nun schon beim Hochwürdigen Herrn Pfarrer Franz Josef Venetz die Schrift gelernt. Jetzt kann ich lesen und versteh auch einige Worte Latein. Gott sei Dank ist gestern mein Vater gesund aus dem russischen Feldzug heimgekehrt. Dann kann ich im Herbst bei den Jesuiten im Kollegi zu Brig studieren gehen. Die andern vier Buben, welche auch beim Pfarrer zur Schule gehen, haben es nicht so weit gebracht wie ich, und die anderen Knaben der Bergschaft wollen vom Lesen und Schreiben überhaupt nichts wissen.

Von Mädchen:

Hurra, nun dürfen dann auch wir Mädchen zur Schule und können lesen und schreiben lernen! Die Buben haben zwar immer behauptet, wir seien zu dumm zum Lernen. Aber das werden wir noch sehen! Ich kenne bereits alle Ziffern und weiss, dass die "Brattig" das Jahr 1860 zeigt. Dann werde ich doch sicher auch lesen lernen können! Oder ?? - Die neue Lehrerin, Katharina Furrer, wird uns im kommenden Winter in der Stube des 1. Stockwerks des Grossmeierhauses Schule halten. Sie ist ja extra zwei Monate lang in Brig bei den Klosterfrauen gewesen und hat es dort gelernt. Ich bin auch froh, dass die Knaben im Gemeindehaus sind, dann haben wir Mädchen unsere Ruhe!
Lange genug haben wir Mädchen in engen, niedrigen Privatstuben die Schule besuchen müssen, zuerst im Grossmeierhaus, dann im Briggerhaus. Endlich hat die Gemeinde auf dem "Umgang", unterhalb der Kirche, ein Schulhaus gebaut. Im Herbst 88 können die Kinder endlich einziehen, die Knaben in die geräumige Stube im 2., und wir Mädchen in diejenige im 1. Stockwerk. Im nördlichen Teil des Schulhauses hat man zwei Wohnungen eingerichtet, die eine für die Lehrerin, die andere für den Lehrer.

Das Schuljahr 1972/73 ist zu Ende! Ich freue mich aber bereits wieder auf den Schulbeginn, denn im September dürfen die sieben Primarklassen unseres Dorfes ins prächtige neue Schulhaus einziehen.
--- Aber was sage ich da? --- Wir sind ja bereits drin!!---
Im Namen aller Grächner Schulkinder danke ich der Gemeinde und dem Staat, dass wir uns in so hellen, heimeligen und aufs modernste eingerichteten Unterrichtsräumen aufs spätere Leben vorbereiten dürfen!

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