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Familien Willkommen Signet mit SiSU im Liegestuhl Grächen - St. Niklaus im Matterhorn valley zwischen Zermatt und Saas Fee. Einzigartiges Bergerlebnis in traumhafter Natur. Der Geheimtipp für Familien und Kinder sowie für Ski- und Wanderferien.

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Die Grächener "Wasserleite"

 

Geschichte

Wann die erste Wasserleitung von Riedbach her nach Grächen erstellt wurde, kann nicht genau festgelegt werden. Sicher ist, dass hier ohne künstliche Bewässerung nie eine einträgliche Berglandwirtschaft möglich war. Die seit 1892 in Grächen durchgeführten Messungen der meteorologischen Zentralanstalt in Zürich zeigen dies auf eindrückliche Weise, denn es wurde seither im Durchschnitt eine jährliche Niederschlagsmenge von bloss 550 mm registriert.

Gräberfunde beweisen, dass Grächen um die Mitte des ersten Jahrtausends bereits besiedelt war. Erstmals urkundlich erwähnt wird es 1295 als "de grangis". Sicher konnten die alemannischen Siedler vorerst die zahlreichen am östlichen und südöstlichen Waldrand entspringenden Quellen zur Bewässerung nutzen. Doch mit der wachsenden Bevölkerung musste zusätzliches Wässerwasser beschafft werden.

In seiner Lebensbeschreibung schildert Thomas Platter (1499-1582) folgende Begebenheit aus seiner Jugendzeit: "Do hatt es sich uff ein zyt zuotragen, das ich und ein iunge tochter, die ouch der geissen irem vatter huot, das wier uns vernarret hattend by einer wasserleitten, do man das wasser den bergen nach zuo den guettern fuert. Do hatten wier mättlin gmacht und die gwässert, wie kind tuont." Das deutet darauf hin, dass zu Beginn des 16. Jahrhunderts bereits Wasserleitungen bestanden, welche vom Riedbach her ("den bergen nach") nach Grächen führten.

In einem als "Bauernzunft oder Statuten des Berges Grächen" benannten Dokument aus dem Jahre 1553 stehen bereits Bestimmungen über das Bewässern der Wiesen an Sonn- und Feiertagen. Das älteste Dokument im Gemeindearchiv von Grächen, welches eine Grächner Wasserleitung betrifft, stammt aus dem Jahr 1603. Es enthält Vereinbarungen mit der damaligen Gemeinde Ried zur Neuerstellung der Bineri, welche vom Riedgletscher abgedrängt worden war. Die Grächner Wasserfuhren wurden über Jahrhunderte vom immer wieder vorstossenden Riedgletscher bedroht. So musste 1639 erneut mit den Riedern über die Wiedereröffnung der Chilcheri verhandelt werden. Damals versprachen die Grächner jährlich drei Fischel Korn an die St. Joderspende zu entrichten, welche demnach schon früher bestanden haben muss. Aus dem Vertrag geht aber noch nicht klar hervor, ob diese Spende geschaffen wurde, um die Hilfe Gottes zur Besänftigung des Riedgletschers zu erflehen.

Erst in den "Regeln des Riedgletscher" von 1803 heisst es: "Als vor vielen Jahren die löblichen Pfarryen St. Niklaus und Grächen durch die Unstimmigkeiten des Riedgletschers ... in grosse Ängstigung und Schaden gerathen, ... haben beyde diese Pfarryen um den erzürnten Gott zu besänftigen ... verschiedene Gelübte gethan". In diesem vom Bischof genehmigten Dokument wird jeder Bauer, welcher aus dem Riedbach Wässerwasser bezieht verpflichtet, jährlich Almosen von einem halben Batzen zu geben, welches am Tag der "Erscheinung des hl. Theoduls", am 4. September zu entrichten ist. Ausserdem sollte aus jedem Haus mindestens eine "verwahrte Person" an der "St. Joderprozession" zum Riedgletscher und am "Ambt mit Predigt" bei der Theodulskapelle in Schalbettu am Riedbach teilnehmen und den Tag "wie ein Hl. Aposteltag fyrlich" halten.

An diesem Tag war auch strengstens verboten, zu wässern, gestattet hingegen war, "dürren Raub einzulegen" (Heu einzubringen). Die Schrift enthält noch weitere Bestimmungen, welche das religiöse und sittliche Verhalten der Gläubigen während des ganzen Jahres beeinflussen sollten. Die Prozession findet auch heute noch statt und zwar am ersten Septembersonntag. Die Kapelle in Schalbettu stammt aus dem Jahr 1855 und enthält einen Renaissancealtar. Sie wurde anstelle des früheren Bethauses von 1672 errichtet, welches 1855 durch ein Erbeben zerstört worden war.

Infolge des rasanten touristischen Aufschwungs Grächens hatten die "Wasserleite" in den letzten 30 Jahren an Bedeutung eingebüsst, so dass die beiden untersten, die Bineri und die Drieri über Jahre hinweg kein Wasser mehr führten. Auf Initiative der Stiftung "Grechu ischi Heimat" und durch finanzielle Unterstützung der Gemeinde konnten die Bineri 1989 und die Drieri 1992 wieder in Betrieb genommen werden.

 

Brauchtum

Die im geschichtlichen Teil erwähnte "St. Jodernprozession" wird seit Ende der sechziger Jahre am 1. Septembersonntag durchgeführt. Immer noch nimmt eine stattliche Schar Gläubige aus Grächen und St. Niklaus daran teil.

 

Verwaltung

Jede Grächner Wasserleitung ist Eigentum einer "Geteilkschaft" von Grundbesitzern, welche aus ihr Wässerwasser beziehen. Die "Geteilen" wählen einen Wasservogt, der für den Unterhalt der Leitungen sorgt. Er organisiert jeden Frühling die Reinigung und Instandstellung des Kanals. Diese Arbeiten werden durch die Geteilen am "Awärchtag" in Gemeinschaftsarbeit ("Gmeiwärch") ausgeführt.

 

Organisation

Ein Wässertag zählt 16 Stunden und beginnt nach alter Tradition morgens, wenn die Sonne am jenseitigen Talhang "ins Holz schynt" (die Waldgrenze erreicht). Je nach Grösse ihrer Grundstücke dürfen die Geteilen eine gewisse Anzahl Stunden Wasser aus einer Leitung beziehen. Wenn alle einmal an der Reihe gewesen sind, beginnt der "Cheer" (Turnus) von neuem. Er dauert heute bei der Bineri 9, bei der Drieri 10, bei der Chilcheri 11 und bei der Eggeri 8 Tage.

 

Technisches

Am Riedbach wurde das Gletscherwasser früher durch einen von Steinen eingedämmten Kanal ("Aschepfi") in ein aus Balken gezimmertes Bassin ("Archa") geleitet. Dieses besass 2-3 Öffnungen, durch welche je ein Wässerwasser, eine zur Bewässerung einer Wiese benötigter Wassermenge in die Leitung fliessen konnte. Nachdem ein Teil des Riedbachs durch einen Stollen den Mattmarkkraftwerken zugeleitet wurde, ersetzte man die hölzernen "Archen" am Riedbach durch Betonfassungen. Jede Leitung kann mindestens zwei Wässerwasser führen, ein "vorderes", welches für die Wiesen im südlichen und ein "äusseres", welches für diejenigen im nördlichen Gemeindegebiet bestimmt ist.

 


 

Die Eggeri

Wasserfassung: 1840 m ü.M. (Riedbach)
Länge: 8.5 km
Durchflussmenge: 60 l/sek.
Strecke: Sie führt vom Riedbach durch Nadelwald und Alpwiesen oberhalb Gasenried und Grächen bis zum Weiler Bärgji (1700m).
Bewässertes Gebiet: Die Äbnetalp sowie die Wiesen bei den Weilern Egga und Bärgji.

Geschichte
Die Eggeri ist die älteste Wasserleitung Grächens, denn verschiedene Überreste von ehemaligen Seitenkanälen weisen darauf hin, dass das gesamte Bewässerungsnetz Grächens ursprünglich aus ihr gespeist wurde. Spuren im Wald unterhalb des Weilers Bärgji lassen ausserdem darauf schliessen, dass früher einmal zumindest versucht wurde, ihr Wasser bis hinunter zu den Weilern Bheich, Liechtbeil und Illas bei Stalden zu leiten. Das einzige bekannte Dokument über diese Leitung, betitelt mit "Verteilung und Reglement der Wasserleitung genannt Eggeri oder Bergerin" datiert aus dem Jahr 1618.

 


 

Die Chilcheri

Wasserfassung: 1835 m ü.M. (Riedbach)
Länge: 5.5 km
Durchflussmenge: 50 l/sek.
Strecke: Sie führt vom Riedbach aus meist durch den Wald bis oberhalb des Sportzentrums von Grächen (1680 m) wo sie in Richtung Dorf abbiegt.
Bewässertes Gebiet: Ihren Namen hat die Chilcheri wohl vom "Kirchweiler" erhalten, sie dient jedoch zur Bewässerung von Wiesen in den verschiedensten Gebieten Grächens.


Geschichte
Die Chilcheri ist vermutlich die zweitälteste Wasserfuhre Grächens. Wie bereits erwähnt, wurde 1639 mit den Vertretern von Gasenried und St. Niklaus ein Vertrag zur Wiedereröffnung der Chilcheri abgeschlossen, nachdem diese "ein lange verloffne zit dan stillgestanden ist undt nit lenger mehr stillstahn khan als us grossum mangel des wasser der güettren..."

 


 

Die Drieri

Wasserfassung: 1750 m ü.M. (Riedbach)
Länge: 6 km
Durchflussmenge: 110 l/sek (3 Wässerportionen, davon 1 für Gasenried)
Strecke: Ihr Verlauf entspricht demjenigen der Chilcheri. Am nördlichen Ende des Dorfes biegt sie zum Weiler Bina ab.
Bewässertes Gebiet: Der Name "Drieri" deutet an, dass sie drei Wässerwasser aufnehmen kann, wovon eines für Gasenried bestimmt ist. Sie dient zur Bewässerung von beinahe allen Gebieten Grächens.


Geschichte
Aus dem Jahre 1618 stammen gleich zwei Reglemente, welche die Grächner Wasserfuhren betreffen, nämlich dasjenige der "Eggeri und Bergerin" und jenes der "Ober Nywa". Bei der letzteren muss es sich um die heutige Drieri handeln, denn die Chilcheri wurde ja erst nach 1639 wieder eröffnet, nachdem sie wegen des vordrängenden Riedgletschers lange Zeit nicht mehr benutzt werden konnte.

 


 

Die Bineri

Wasserfassung: 1730 m ü.M. (Riedbach)
Länge: 5.5 km
Durchflussmenge: 50 l/sek
Strecke: Sie führt durch Nadelwälder und Alpwiesen bis zum Sportzentrum von Grächen, wo sie in Richtung Bina abbiegt.
Bewässertes Gebiet: Der Name Bineri lässt vermuten, dass sie ursprünglich zur Bewässerung der Wiesen beim Weil Bina erstellt wurde. Wie die Chilcheri und die Drieri, so führt auch sie Wässerwasser zu allen Gebieten Grächens mit Ausnahme derjenigen von Egga und Bärgji.

Geschichte
Im "Bineri-Vertrag" von 1603 steht unter anderem: "Diese Geteilen hatten von alters her im Riedbach eine Wasserfuhr geschöpft und sie über das Ried her geführt bis auf den Berg Grächen, um ihre Güter zu bewässern. Diese Wasserfuhr wurde ihnen vor etlichen Jahren durch "Überdrang und Nachdruck" des wütenden Gletschers abgestossen, und so zwingt sie die Not, eine andere Wasserfuhr zu machen."
Laut Vertrag erhalten die Grächner Bauern dann das Recht, eine Leitung durch die Wiesen von Ried zu erstellen, welche samt Begleitpfad ein Klafter breit sein durfte. Als Entschädigung für das benötigte Land erhielten die Rieder 40 Pfund. Diese Summe sollten als Kapital angelegt und der Zins für Almosen verwendet werden.

 

Wandervorschläge entlang der Suonen finden Sie hier.

Sehr interessant Informationen zur Instanthaltung der Wasserleitungen finden sie auf: www.suonen-graechen.ch

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