Verkehr
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Geschichte der Verkehrswege
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Bergweg
Bis ans Ende der fünfziger Jahre waren in Grächen und Umgebung viele Säumer anzutreffen. Sie transportierten zwischen dem Bahnhof Kalpetran und Grächen mit Hilfe von Maultieren Güter auf einem kleinen Bergweg, welcher erst durch sie an Bedeutung gewann, die Post und Waren, welche jeweils am Bahnhof per Zug ankamen.
Zu jeder Tageszeit waren die Säumer mit ihren Maultieren anzutreffen und warteten auf die Ankunft der Eisenbahn.Die Säumer kannten ihre Tiere sehr gut und wussten welche über den kräftigsten Körperbau verfügten und am meisten belastbar waren. So wurden sie individuell beladen, und ein besonders wachsames Tier wurde als Leittier eingesetzt, welches den kleinen Tross anführen durfte.
Die Säumer hatten im Dorf trotz ihrer Bedeutung wenig zu sagen, da sie eigentlich nur Knechte waren; höchstens die Kinder konnten sie befehlen, welche sie manchmal bei ihrer Arbeit begleiteten.
Da Grächen als eine der letzten Gemeinden im Kanton Wallis mit einer Strasse erschlossen wurde, waren die Säumer ein fester Bestandteil des Dorfbildes und bis 1952 war das Maultier das einzige "Verkehrsmittel" das grosse Lasten tragen konnte und sie meistens unversehrt über den Saumweg brachte. Als man die Strasse baute, wurden die Maultierkolonnen zusehends seltener. Die technische Revolution, oft als Emanzipation des Menschen gegenüber der Natur bezeichnet, verdrängte schleichend einen traditionellen Bestandteil, der die Geschichte des Dorfes lange Zeit geprägt hatte.
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Die Strasse
Es war lange unklar, ob eine Strasse gebaut werden sollte oder nicht. Die Idee, an Stelle der Strasse eine Seilbahn zu bauen, fand erstaunlich viel Unterstützung im Dorf, und es musste lange gekämpft werden, bis die Strasse endlich gebaut werden konnte. Bei dieser Debatte zählte jede einzelne Stimme, und erst 1947 wurde der Kredit für den Strassenbau gesprochen. Es war jedoch extrem wichtig für das dazumal kleine Dorf, welches immer weiter schrumpfte, dass möglichst schnell eine gute Anbindung an das restlich Verkehrsnetz des Kantons vorhanden war, da die Existenz vieler Familien in Grächen zusehends gefährdet war. Bevor man die Strasse baute, wurden von Jahr zu Jahr weniger Einwohner gezählt. Nach ihrer Einweihung im Jahre 1954 schnellte die Zuwachsrate bis 1960 stark an; sie betrug durchschnittlich 28%, von 1960 bis 1970 immerhin noch 25%. So fand Grächen seinen Platz in einer nachindustriellen Gesellschaft innert kürzester Zeit.
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Der Motorradpfarrer H.H. Venetz
Obwohl der Kirche oft ein konservatives Image zugeschrieben wird, war dies für Grächen sicherlich nicht der Fall. Nicht umsonst warb Pfarrer Venetz während seiner 22-jährigen Amtszeit in Grächen für den motorisierten Fortschritt und somit für die Erschliessung Grächens an das nationale Strassennetz. Pfarrer Venetz war wohl der erste Grächener, der ein eigenes Motorfahrzeug hatte. Er nannte sein Motorrad liebevoll "Rössli" und war von dessen Technik und Kraft begeistert. Es musste für die damaligen Verhältnisse ein Schauspiel gewesen sein, wenn der Geistliche mit seinem schwarzen Mantel, der offen im Fahrtwind flatterte, durch das Dorf brauste. Auch noch zwei Wochen bevor er starb, konnte er noch genau beschreiben, wie er seinerzeit den Bischof um Erlaubnis fragte, um sich ein Motorrad zu erwerben. Der Bischof sah den Nutzen eines mobilen Pfarrers ein und erteilte ihm deshalb die Bewilligung. Dies sollte der Anfang eines fortschrittlichen Grächens sein.




17.05.2012



