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Thomas Platter

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Thomas Platter (1499 - 1582)

Thomas Platter darf zweifellos als berühmtester Sohn Grächens bezeichnet werden. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde er als Bauernkind im Weiler Niedergrächen geboren. Nach dem frühen Tode seines Vaters musste der junge Thomilin, wie er von seinen Eltern liebevoll genannt wurde, seinen Lebensunterhalt zunächst mit sechs Jahren als Ziegenhirt verdienen. Trotz der Freiheiten, die das Hirtenleben ihm boten, war seine nicht einfache Kindheit von Armut, Hungersnot und Elend geprägt.
Im Alter von zehn Jahren wurde er als Verding-Kind weggegeben und lernte fast alle Wirrnisse seiner Zeit kennen.

Als fahrender Schüler durchstreifte er, als Begleiter von Paulus Summermatter, Sachsen Schlesien und Bayern. Auf diesen Reisen erbettelte er seinen Lebensunterhalt für sich und seine älteren Kollegen, die Bacchanten. In dieser Zeit fand er kaum Gelegenheit sich Wissen anzueignen.
Nach fünf Jahren kehrte er wieder ins Wallis zurück, aber bereits nach kurzer Zeit begaben sie sich wieder auf Reisen.

Mit zwanzig Jahren liess er sich dann in Zürich nieder und begann dort ernsthaft mit dem Studium der hebräischen, griechischen und lateinischen Sprache und erlernte zugleich das Seilerhandwerk bei Rudolf Collin.

Bei der beginnenden Reformation in Zürich ergriff Thomas Platter sehr früh für Zwingli Partei und half diesem als Nachrichtenübermittler zu Oecolampad während der Badener Disputation von 1526.
Von Zürich kam er dann nach Basel wo er zunächst sein Geld als Seiler verdiente und zugleich an der Universität Vorlesung in alten Sprachen hielt. 1544 gründete er die Lateinschule auf Burg und leitete diese während fast 40 Jahren.

Als Anhänger der Reformation nahm er am ersten Kappelerkrieg 1529 teil und heiratete kurz danach Anna Ditschi. Für kurze Zeit kehrte er wieder ins Wallis zurück wo er jedoch als Anhänger der Reformation grosse Schwierigkeiten hatte. Aus diesem Grund begab er sich wieder nach Basel. Er erhielt eine Stelle als Griechischlehrer am Pädagogium und richtete mit Lasius und Oporin zugleich eine Druckerei ein.

Nach dem Tode seiner Frau heiratete Thomas Platter die Pfarrerstochter Esther Gross, die ihm noch sechs Kinder schenkte. Von Platters Kindern starben die meisten an der Pest. Bekannt ist vor allem sein Sohn Felix Platter, ein berühmter Anatom und Arzt.

Thomas Platter konnte sich im Laufe der Zeit Wohlstand erwerben und kaufte ein Landgut in Grundoldingen. Er verstarb am 26. Januar 1582 nach einem Sturz und wurde im Kreuzgang des Basler Münsters beigesetzt.

 

Thomas Platter ist zu einer Symbolfigur des Humanismus des 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen geworden. Entscheidend dazu beigetragen hat seine in hohem Alter auf Deutsch verfasste Autobiographie, die er auf Bitten seines Sohnes Felix niederschrieb. Sie ist einer der bedeutendsten Autobiographien des 16. Jahrhunderts, die ein sehr anschauliches Bild seines Lebens und seiner Zeit, sowie der damaligen Bildungsverhältnisse darstellt.

 

Kindheit

Der Vater von Thomas Platter verstarb schon früh auf einer Reise an der Pest. Seine Mutter Amilli Summermatter heiratete bald wieder und verliess das Dorf. Thomas wurde von verschiedenen Tanten erzogen und hin- und hergeschoben. Seine Mutter sah er gelegentlich wieder, doch kannte er weder die Zahl seiner Geschwister noch sein eigenes Geburtsdatum.
Mit 6 Jahren musste er sich als Geisshirt durchbringen. Das Hirtenleben bot ihm Freiheiten, denn auf der Alp gab es keine Kontrolle, doch war die Kehrseite der Medaille dass der unterernährte, kleinwüchsige Knabe sich mehrmals in Gefahren begab und oft von der Geissenherde überrannt wurde.

Nachdem er eine Zeitlang zum Kuhhirten avanciert war, holte ihn seine Base Fransy weg und brachte ihn zu einem ehemaligen Pfarrer, Vetter Anthoni Platter, damit er dort schreiben lernen und später Priester werden sollte. Doch bekam er dort mehr Prügel als Belehrungen. Darum empfand er es als eine wahre Erlösung, als ein Vetter, der Student Paulus Summermatter, ihn mit sich auf seine Wanderungen nahm. Doch er kam vom Regen in die Traufe.

Die deutschen Studenten zogen damals oft als "fahrende Schüler" durch ganz Süd- und Mitteldeutschland, vom Elsass bis nach Dresden, Breslau und Wien. An diesem Vagantenleben nahm auch Thomas Platter während fast zehn Jahren teil, getrieben von seinem Vetter Paulus Summermatter.

Badener Disputation

Als man am 19. Mail 1526 die Disputation zu Baden eröffnete, sollte nach dem Willen der katholischen Mehrheit der neue Glaube nicht diskutiert, sondern verurteilt werden. Die Zürcher wagten es nicht ihren Führer Ulrich Zwingli dieser Lebensgefahr auszusetzen. Anstelle von ihm erschien in Baden der noch papsttreue Ökolampad aus Basel, der Berner Haller und einige andere; auf katholischer Seite standen der wortgewaltig Eck, sowie der österreichische Rat Faber und der satirische Franziskaner Thomas Murner aus dem Elsass. Die Leitung lag ganz in katholischen Händen, eine Zensur verbot jegliche Art von Notizen ausser durch die vier amtlichen Notare.
Doch die Reformierten verstanden es dennoch, eine Verbindung zwischen Zwingli und ihrem Wortführer Ökolampad herzustellen. Ein Walliser namens Hieronymus Wälschen verfasste ein Geheimprotokoll, das er dann zwei befreundeten Boten übergab. Seinem Landsmann Thomas Platter sowie dem Winterthurer Hieronymus Zimmermann. Sie brachten abwechselnd die geheimen Botschaften nach Zürich zu Zwingli und die Antworten zurück zu Ökolampad. Thomas Platter hatte sich als Hühnerhändler verkleidet und verstand es so, die strenge Kontrolle der Badener Torwächter zu umgehen.

 

Felix Platter

Thomas Platters fester Entschluss war es, dass es der Sohn weiter bringen muss, und seine eigene Lust zur Medizin sollte durch Felix ihre Vollendung finden. Der Entscheid zum Medizinstudium war damit schon früh gefallen. Der Moment der Abreise drängte sich auf, da seit 1550 eine zweite Pestwelle Basel erreicht hatte. Kurz darauf starb Ursula Platter, die Lieblingsschwester des Felix, an der Pest und dies war auch ein schwerer Schlag für Thomas Platter nachdem er zuvor schon zwei andere Töchter durch die Pest verloren hatte.

Blitzschnell wurde Felix nach Schloss Rötteln evakuirt. Inzwischen hatte der 16-jährige Felix sich im Herbst 1551 an der Universität Basel immatrikuliert und die Studien begonnen. Am 10. Oktober 1552 brach Felix auf zu seiner Reise nach Montpellier, dessen medizinische Fakultät damals noch die berühmteste was.

Als Ersatz für die schwer vermisste Ursula suchte Platter "eine andre dochter", das heisst eine Schwiegertocher, und fand sie bald in der bildschönen Schererstochter Magdalena Jeckelmann. Der Vater war davon beglückt und ging jetzt als Brauterwerber zu Vater Jeckelmann nach alter Walliser Sitte (Kinderheirat).

Am 9. Mai 1557, nach 4 ½ Jahren, kehrt Felix endlich heim. Danach absolvierte der 21-Jährige das medizinische Doktorexamen mit glänzendem Erfolg, ein sehr seltenens und entsprechend teueres Ereignis. Kurz darau fand die Hochzeit zwischen Magdalena und Felix im Münster statt.
Die berufliche Karriere führte Felix Platter rasch nach oben. An der Universität war er schon 1562 Dekan und 1570 Rektor, bevor er 1571 Professor der praktischen Medizin und Stadtarzt wurde. Die Eltern konnten seinen Aufstieg noch mit Stolz miterleben. Ihre einzige Sorge war die Kinderlosigkeit des sonst glücklichen Paares.

 

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